Essen in der Kita: Caterer oder eigene Küche, Probierzwang, Allergien und was Eltern fragen sollten
Wenn Eltern beim Abholen fragen, was es gab, hören sie oft "Nudeln". Wenn sie den Speiseplan lesen, steht dort "Pasta mit Tomatensugo, Gurkensalat, Apfel". Beides ist wahr, und beides sagt wenig darüber, ob das Essen in der Kita gut ist. Gut heißt beim Kita-Essen nicht nur, was auf dem Teller liegt, sondern wie es dort hinkommt, wie viel Zeit es gibt, wer dabei sitzt und ob ein Vierjähriger den Brokkoli liegen lassen darf. Dieser Text sortiert die Fragen, die Eltern zum Essen stellen sollten, und die Antworten, die eine gute Kita hat.
Wer kocht
Drei Modelle: die eigene Küche mit einer Köchin oder einem Koch in der Kita, der Caterer, der fertige Warmverpflegung in Thermoboxen liefert, und das Cook-and-Chill- oder Tiefkühlsystem, bei dem vorbereitete Komponenten in der Kita erhitzt werden. Die eigene Küche ist das Ideal, weil Kinder das Kochen erleben, Wünsche direkt ankommen und frisch gekocht wird; sie ist aber teuer und braucht Räume, die in vielen älteren Kitas fehlen. Nach der Studie "Verpflegung in Kindertageseinrichtungen" (VeKiTa) des Bundesernährungsministeriums von 2014 wird in etwa der Hälfte der Kitas selbst gekocht, in den anderen geliefert, mit steigendem Anteil der Lieferung. Ein Caterer ist nicht schlechter als eine eigene Küche, wenn er gut ist: kurze Wege, regionale Zutaten, Rezepturen für Kleinkinder statt Kantinenessen, Warmhaltezeiten unter drei Stunden. Ein schlechter Caterer liefert paniertes Fleisch, Soßen aus dem Eimer und Gemüse, das seit dem Morgen warm steht.
Fragen Sie beim Besichtigungstermin: Wer kocht, seit wann, wie weit ist der Weg, wie lange steht das Essen warm, dürfen Sie den Speiseplan der letzten vier Wochen sehen, und dürfen Sie einmal mitessen? Eine Kita, die stolz auf ihr Essen ist, lädt Sie ein.
Was ein gutes Mittagessen ausmacht
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat einen "DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas", der als Referenz gilt und in einigen Ländern für geförderte Kitas verbindlich ist. Er sieht unter anderem vor: täglich Gemüse oder Rohkost und Obst, mindestens einmal pro Woche Fisch, Fleisch höchstens zweimal pro Woche, Vollkornprodukte, Wasser und ungesüßter Tee als Getränke, selten frittierte Speisen, keine Süßigkeiten als Nachtisch im Regelfall. Kitas, die nach dem Standard arbeiten, können sich zertifizieren lassen ("Fit Kid"-Zertifikat). Der Standard ist ein Anhaltspunkt, kein Dogma; ein Speiseplan, der ihn ungefähr trifft, ist gut, einer mit dreimal Fleisch, zweimal Pommes und Pudding täglich ist es nicht.
Bio ist ein Kriterium, aber nicht das wichtigste. Frisches, saisonales, abwechslungsreiches Essen ohne Bio-Siegel schlägt ein Bio-Menü aus der Thermobox, das seit drei Stunden warm steht. Viele Kitas arbeiten mit einem Bio-Anteil (Milchprodukte, Getreide, Kartoffeln), was Kosten und Anspruch ausbalanciert; Berlin verpflichtet Caterer der Kitas zu einem festgelegten Bio-Anteil.
Wie gegessen wird
Die pädagogische Seite des Essens entscheidet mehr als die Zutaten. Sitzen Fachkräfte mit am Tisch und essen mit, oder stehen sie daneben? Dürfen Kinder sich selbst nehmen, oder wird aufgetan? Gibt es feste Tischgruppen, Rituale (Tischspruch, Kerze), Zeit ohne Hetze? Wird das Essen als Gemeinschaft erlebt oder als Versorgung? Der fachliche Konsens seit den 2000er Jahren ist klar: Kinder sollen selbst entscheiden, wie viel sie essen, und sie sollen probieren dürfen, nicht müssen. Der Zwang zum Aufessen, der in vielen Elternhäusern noch aus der eigenen Kindheit steckt, ist pädagogisch überholt und in den meisten Konzeptionen ausdrücklich ausgeschlossen; er stört das Sättigungsgefühl und macht aus dem Essen einen Machtkampf. Dasselbe gilt für Essen als Belohnung oder Strafe ("Kein Nachtisch, wenn du nicht aufisst").
Ein Kind, das in der Kita wochenlang nur Nudeln isst, ist kein Grund zur Sorge (anders als ein Kind, das krank ist und deshalb nicht isst), wenn es zu Hause ausgeglichener isst und normal wächst; die Phase gehört zum Kleinkindalter. Sorgen sind angebracht, wenn das Kind in der Kita gar nichts isst, wenn es hungrig und erschöpft abgeholt wird oder wenn es vom Essen mit Angst erzählt. Sprechen Sie dann mit der Bezugserzieherin, wie es am Tisch läuft.
Allergien, Intoleranzen, Ernährungsregeln
Kitas müssen mit Allergien umgehen können, und die meisten tun es routiniert: Allergiepass oder ärztliches Attest, eine Liste in der Küche, gekennzeichnete Teller, im Ernstfall ein Notfallplan mit Medikament, das die Fachkräfte nach Schulung geben dürfen. Für Kuhmilch-, Ei-, Nuss- und Glutenallergien bieten die meisten Caterer Alternativen; bei seltenen oder mehrfachen Allergien wird es schwierig, und manche Kitas bitten die Eltern dann, Essen mitzugeben. Das ist zulässig, wenn es begründet ist, und sollte mit einer Beitragsermäßigung einhergehen. Fragen Sie im Aufnahmegespräch, wie die Kita mit der konkreten Allergie umgeht; eine Antwort wie "Das kriegen wir hin, wir haben schon zwei Kinder mit Nussallergie" ist beruhigender als "Das müssen wir mal sehen".
Religiöse und ethische Ernährungsregeln (kein Schweinefleisch, halal, vegetarisch, vegan) werden in den meisten Kitas berücksichtigt, wobei der Aufwand mit der Zahl der Sonderwünsche steigt. Viele Kitas haben deshalb generell schweinefleischfrei umgestellt oder bieten täglich eine vegetarische Variante an, was auch dem DGE-Standard entgegenkommt. Vegan ist selten vorgesehen und muss oft mit Mitgebrachtem gelöst werden; für Kleinkinder empfehlen Fachgesellschaften vegane Ernährung ohnehin nur mit ärztlicher Begleitung und Supplementierung.
Frühstück, Snacks, Getränke
Ob Frühstück mitgebracht oder gestellt wird, regelt jede Kita anders. Ein gemeinsames Frühstück in der Kita hat Vorteile (alle essen dasselbe, kein Wettbewerb der Brotdosen, gesündere Auswahl); mitgebrachtes Frühstück gibt Eltern Kontrolle. Viele Kitas haben Regeln für die Brotdose (kein Süßes, keine Schokoriegel, Obst oder Gemüse dabei) und setzen sie mit unterschiedlicher Strenge durch. Getränke sind in guten Kitas Wasser und ungesüßter Tee, jederzeit zugänglich; Saft und Kakao gibt es zu Festen. Der Nachmittagssnack (Vesper) ist meist Obst, Brot oder Joghurt.
Kosten und Mitsprache
Das Essensgeld liegt typischerweise bei 3 bis 5 Euro pro Mittagessen, monatlich 60 bis 120 Euro, und ist in fast allen Ländern getrennt vom Elternbeitrag zu zahlen; der Ratgeber zu den Nebenkosten der Kita ordnet es ein. Familien mit Leistungsbezug bekommen es über das Bildungs- und Teilhabepaket erstattet. Beim Essen haben Eltern über den Elternbeirat ein Mitspracherecht: Der Wechsel des Caterers, die Höhe des Essensgelds und die Verpflegungskonzeption gehören in vielen Ländern zu den Punkten, bei denen der Beirat gehört werden muss. Ein Beirat, der die Zufriedenheit mit dem Essen einmal im Jahr abfragt und das Ergebnis dem Träger vorlegt, hat in vielen Kitas schon einen Caterer-Wechsel bewirkt.
Wie das Essen in einer bestimmten Kita ist, erfahren Sie nicht aus dem Speiseplan, sondern von den Kindern, die dort essen, und ihren Eltern. Auf Kitaerfahrung.com gibt es dafür die Detailnote "Essen" in jedem Erfahrungsbericht.
Wie ist die Kita vor Ort wirklich?
Finden Sie Ihre Kita und lesen Sie bestätigte Erfahrungen anderer Eltern. Oder schreiben Sie selbst, was die nächste Familie wissen sollte.
Kita finden