Was eine Kita wirklich kostet: Essensgeld, Ausflüge, Förderverein und andere Posten
"Die Kita ist doch beitragsfrei." Das sagen Berliner Eltern, bis sie am Ende des ersten Jahres nachrechnen. Essensgeld, Getränkegeld, Bastelgeld, Ausflugskasse, Fördervereinsbeitrag, Fotograf, Sommerfest, Laternenumzug, Abschiedsgeschenk für die Praktikantin: Zusammen kommt ein Betrag heraus, der in manchen Familien den früheren Elternbeitrag erreicht. Die meisten dieser Posten sind berechtigt, einige sind freiwillig, und bei ein paar lohnt sich ein genauer Blick. Hier ist die Übersicht, mit üblichen Größenordnungen aus Beitragsordnungen und Elternbeirats-Protokollen deutscher Kitas.
Essensgeld
Der größte Posten neben dem Beitrag. Das Mittagessen wird fast überall getrennt berechnet, weil es nicht zur geförderten Betreuung gehört. Üblich sind 3 bis 5 Euro pro Mahlzeit, als Monatspauschale 60 bis 120 Euro, je nach Träger, Caterer und ob Frühstück und Nachmittagssnack enthalten sind. Berlin hat das Essensgeld landesweit auf rund 23 Euro im Monat festgelegt und subventioniert den Rest; Hamburg schließt das Mittagessen in die beitragsfreien fünf Stunden ein. In den meisten anderen Ländern zahlen Eltern den vollen Preis, und der ist seit 2022 deutlich gestiegen, weil Caterer ihre Kosten weitergeben.
Zwei Fragen lohnen sich: Wird das Essensgeld bei Krankheit oder Urlaub erstattet? Die meisten Träger rechnen eine Pauschale ab, die Ausfalltage nicht berücksichtigt; einige erstatten ab dem dritten Fehltag oder bei vorheriger Abmeldung. Und: Was ist enthalten? Eine Pauschale von 90 Euro für Mittagessen allein ist teuer, für Frühstück, Mittagessen und Vesper ist sie günstig. Familien mit Leistungsbezug bekommen das Mittagessen über das Bildungs- und Teilhabepaket vollständig erstattet.
Getränke- und Frühstücksgeld
Viele Kitas bieten Wasser, Tee und ein gemeinsames Frühstück und legen dafür 5 bis 15 Euro im Monat um. In anderen bringen die Kinder Frühstück und Trinkflasche selbst mit. Beides ist in Ordnung; fragen Sie nur, was gilt, damit Sie nicht doppelt zahlen und packen.
Bastel-, Spiel- und Materialgeld
Eine der umstrittensten Posten. Kitas erheben häufig 2 bis 10 Euro im Monat oder 30 bis 60 Euro im Jahr für Bastelmaterial, Verbrauchsmaterial und kleine Anschaffungen. Rechtlich ist das in vielen Ländern nur zulässig, wenn es sich um freiwillige Beiträge handelt oder wenn das Landesrecht Zusatzbeiträge ausdrücklich erlaubt, weil Bastelmaterial eigentlich zur geförderten Betreuung gehört. Berlin hat Zuzahlungen deshalb auf höchstens 90 Euro im Monat begrenzt und für ausdrücklich freiwillig erklärt; Eltern dürfen dort nicht benachteiligt werden, wenn sie nicht zahlen. In anderen Ländern ist die Lage weniger klar. Wenn ein Träger Bastelgeld als Pflichtbeitrag erhebt, fragen Sie, worauf sich das stützt. Die Antwort ist oft ehrlich: die Finanzierungslücke.
Ausflüge, Theater, Feste
Ausflüge ins Museum, in den Zoo oder zum Theater werden meist einzeln umgelegt, mit 5 bis 15 Euro pro Kind und Anlass, etwa vier bis acht Mal im Jahr. Für Feste (Sommerfest, Laternenumzug, Weihnachtsfeier) bitten Kitas um Kuchen- oder Salatspenden und gelegentlich um einen kleinen Beitrag. Für Vorschulkinder kommen im letzten Jahr oft größere Posten hinzu: ein Abschlussausflug, eine Übernachtung in der Kita, eine Vorschulmappe, ein Abschiedsgeschenk. Rechnen Sie im letzten Kita-Jahr mit 50 bis 150 Euro zusätzlich. Bei allen Ausflügen gilt: Kein Kind darf ausgeschlossen werden, weil die Eltern nicht zahlen können; Träger haben dafür Sozialfonds oder greifen auf den Förderverein zurück. Fragen Sie leise bei der Leitung nach, wenn es eng wird.
Förderverein
Die meisten Kitas haben einen Förderverein, der Spielgeräte, Bücher, Projekte oder das Sommerfest finanziert. Der Mitgliedsbeitrag liegt typischerweise bei 12 bis 60 Euro im Jahr. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, und sie muss es bleiben; ein Anmeldeformular für den Förderverein, das mit dem Betreuungsvertrag zusammen zur Unterschrift vorgelegt wird, ist eine unschöne, aber verbreitete Praxis. Sie dürfen ohne Begründung ablehnen. Umgekehrt ist der Förderverein der Ort, an dem Eltern am unmittelbarsten sehen, wo ihr Geld hingeht; wer 30 Euro im Jahr übrig hat, investiert sie dort oft sinnvoller als in einen weiteren Pflichtposten.
Windeln, Pflege, Wechselkleidung
In der Krippe bringen Eltern Windeln, Feuchttücher und Creme in der Regel selbst mit, entweder als Packung, die die Kita verwaltet, oder gegen eine Windelpauschale von 10 bis 25 Euro im Monat. Dazu kommen Wechselkleidung, Hausschuhe, Matschhose, Gummistiefel, Schlafsack oder Bettwäsche, Sonnencreme und im Sommer Sonnenhut. Das sind einmalige oder jährliche Anschaffungen, die sich bei einem wachsenden Kind auf 100 bis 200 Euro im Jahr summieren. Bei Waldkitas kommt eine ganzjährige Outdoor-Ausstattung dazu, die mit Regenkleidung, Thermohose, Wollunterwäsche und Wanderschuhen leicht 200 bis 300 Euro im Jahr kostet; das ist der versteckte Preis dieser Betreuungsform.
Fotos, Portfolio, Kita-App
Einmal im Jahr kommt der Fotograf, und die Mappe mit Einzel- und Gruppenbildern kostet 20 bis 50 Euro. Die Abnahme ist freiwillig, der Druck in der Garderobe ist es nicht immer. Portfolios oder Entwicklungsordner, in denen die Kita die Lernschritte des Kindes dokumentiert, werden meist von der Kita gestellt, manchmal gegen 10 bis 20 Euro einmalig. Kita-Apps für Elternkommunikation sind für Eltern in der Regel kostenlos; einige Anbieter finanzieren sich über die Träger, andere über Premium-Funktionen, die Sie nicht brauchen.
Verlässliche Zeiten: der unsichtbare Posten
Der teuerste Kostenfaktor steht in keiner Beitragsordnung: Schließzeiten und Ausfälle. Eine Kita mit 30 Schließtagen im Jahr, davon drei Wochen im Sommer, zwingt berufstätige Eltern, Urlaub genau dann zu nehmen oder Ersatzbetreuung zu bezahlen; eine Ferienbetreuung kostet 15 bis 30 Euro am Tag. Notbetreuung wegen Personalmangels, die immer häufiger vorkommt, kostet unbezahlte Freistellung oder die Hilfe der Großeltern. Wer Kitas vergleicht, sollte die Schließtage und die Verlässlichkeit der Öffnungszeiten deshalb als Kosten begreifen. Genau dazu gibt es auf Kitaerfahrung.com die Detailnote "Öffnungszeiten und Organisation".
Was zusammenkommt
Für ein Kindergartenkind in einem beitragsfreien Bundesland lassen sich die Nebenkosten grob so überschlagen: Essensgeld 80 Euro, Getränke- und Frühstücksgeld 10 Euro, Bastelgeld 5 Euro, das sind 95 Euro im Monat, dazu im Jahr 60 Euro Ausflüge, 30 Euro Förderverein, 40 Euro Fotos, 150 Euro Ausrüstung. Zusammen rund 1.400 Euro im Jahr, also etwa 115 Euro im Monat, für eine Kita, die "nichts kostet". In einem beitragspflichtigen Land kommen der Elternbeitrag und für die Krippe die Windelpauschale dazu. Fragen Sie beim Besichtigungstermin nach der Gesamtsumme, nicht nach dem Beitrag. Eine Leitung, die Ihnen die Nebenkosten offen aufzählt, sagt Ihnen auch sonst die Wahrheit.
Quellen
Kommunale Beitragssatzungen und Beitragsordnungen freier Träger; KitaFöG Berlin und Zuzahlungsverordnung (Begrenzung und Freiwilligkeit von Zuzahlungen); § 28 Abs. 6 SGB II (Mittagessen im Bildungs- und Teilhabepaket); Angaben von Elternbeiräten und Landeselternvertretungen. Die genannten Beträge sind Spannen, keine Durchschnittswerte, und variieren regional.
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