Ratgeber › Pädagogik

Vorschule in der Kita: Was das letzte Jahr leisten soll und was nicht

Im letzten Kita-Jahr werden aus Kindern "Vorschulkinder", und mit dem Titel kommt die Sorge. Eltern fragen, ob ihr Kind schon seinen Namen schreiben kann, ob es bis 20 zählt, ob es still sitzen kann. Kitas antworten mit Vorschulmappen, Schwungübungen und Zahlenland, teils weil sie es für richtig halten, teils weil Eltern es erwarten. Die Grundschulen, die die Kinder dann bekommen, wünschen sich meist etwas anderes: Kinder, die zuhören, sich anziehen, mit Enttäuschung umgehen und eine Schere halten können. Der Abstand zwischen dem, was Eltern für Schulvorbereitung halten, und dem, was Lehrkräfte darunter verstehen, ist das eigentliche Thema dieses Textes.

Was Schulfähigkeit heißt

Die Schuleingangsuntersuchung, die alle Länder vor der Einschulung durchführen, prüft keine Buchstaben. Sie prüft Sehen und Hören, Grob- und Feinmotorik, Sprache (Aussprache, Grammatik, Wortschatz, Verstehen von Anweisungen), Mengenverständnis (nicht Zählen, sondern das Erfassen von "mehr" und "weniger"), Körperkoordination, Konzentrationsfähigkeit und den sozial-emotionalen Stand. Das Leitbild der Schulfähigkeit hat sich in der Fachwelt in den letzten zwanzig Jahren verschoben: Nicht mehr das Kind muss schulfähig sein, sondern die Schule muss anschlussfähig an das Kind sein; die Länder haben deshalb die flexible Schuleingangsphase eingeführt, in der die ersten beiden Schuljahre in ein bis drei Jahren durchlaufen werden können. Trotzdem gibt es Fähigkeiten, die den Start erleichtern, und sie liegen fast alle außerhalb von Lesen und Rechnen.

Grundschullehrkräfte nennen in Befragungen regelmäßig dieselben Dinge: zuhören können, eine Aufgabe zu Ende bringen, auch wenn sie langweilig ist; Bedürfnisse aufschieben; Konflikte ohne Hauen lösen; um Hilfe bitten; sich selbst anziehen, den Ranzen packen, allein zur Toilette gehen; einen Stift richtig halten und mit der Schere schneiden; einer Geschichte folgen und sie nacherzählen; Regeln akzeptieren, die man nicht selbst gemacht hat. Ein Kind, das das kann und keinen einzigen Buchstaben kennt, wird lesen lernen. Ein Kind, das lesen kann, aber nach zehn Minuten unter dem Tisch liegt, hat ein schwereres erstes Schuljahr.

Was das letzte Kita-Jahr leisten soll

Die Landesbildungspläne beschreiben das letzte Kita-Jahr als Zeit der Verdichtung, nicht als Vorkurs. Gute Kitas gestalten es mit drei Elementen. Erstens mit einer Vorschulgruppe, die sich regelmäßig trifft und in der die Großen etwas haben, was die Kleinen nicht haben: eigene Projekte, Ausflüge, Verantwortung (Tischdienst, Patenschaft für Neue), eine Übernachtung, den Abschied. Das stärkt das Selbstbild "Ich bin groß, ich schaffe das", das für den Schulstart wichtiger ist als jede Übung. Zweitens mit gezielten Angeboten zu den Vorläuferfähigkeiten: phonologische Bewusstheit (Reime, Silbenklatschen, Anlaute hören), Mengen und Muster, Feinmotorik, Konzentrationsspiele, Sprache in allen Formen. Programme wie "Hören, lauschen, lernen" (Würzburger Trainingsprogramm) oder "Zahlenland" sind verbreitet und wirken, wenn sie spielerisch bleiben; zur Sprachförderung gibt es einen eigenen Ratgeber. Drittens mit dem Übergang selbst: Besuche in der Grundschule, Schnupperstunden, Kontakt zu Erstklässlern, Gespräche über das, was kommt. Viele Kitas haben Kooperationsvereinbarungen mit den Grundschulen ihres Einzugsgebiets, in denen genau das geregelt ist.

Was es nicht leisten soll

Lesen und Schreiben lehren. Ein Kind, das im Kindergarten lesen lernt, ist in der ersten Klasse unterfordert und lernt dort, dass Schule langweilig ist; die Grundschuldidaktik ist auf Kinder ausgelegt, die noch nicht lesen. Wenn ein Kind von selbst anfängt, Buchstaben zu fragen, beantwortet man die Fragen. Man setzt sich nicht mit Arbeitsblättern hin. Dasselbe gilt für Rechnen: Zählen bis 100 ist ein Partytrick, das Verständnis, dass fünf Äpfel und fünf Steine dieselbe Menge sind, ist Mathematik. Und: Stillsitzen üben. Kinder lernen Konzentration nicht durch Sitzen, sondern durch Tätigkeiten, die sie fesseln; die Sitzfähigkeit kommt mit der Reife, nicht mit dem Training.

Vorschulmappen mit Schwungübungen, Ausmalbildern und Zahlenreihen sind das sichtbarste Symbol der Schulvorbereitung und das pädagogisch dünnste. Sie schaden nicht, wenn Kinder sie gern machen, aber sie bringen wenig, und sie ersetzen nichts von dem, was oben steht. Eine Kita, deren gesamte Vorschularbeit aus einer Mappe besteht, hat das letzte Jahr nicht verstanden.

Was Eltern tun können

Vorlesen, jeden Tag, das ist die einzige Maßnahme mit unbestrittener Wirkung auf den späteren Leseerfolg. Erzählen lassen und zuhören. Brettspiele mit Regeln spielen, verlieren lernen. Selbstständigkeit zulassen: Das Kind zieht sich allein an, auch wenn es zehn Minuten dauert und die Socken verdreht sind; es räumt seine Tasche selbst; es geht mit vier Euro zum Bäcker. Draußen sein, klettern, balancieren; Motorik und Konzentration hängen enger zusammen, als man denkt. Und nicht vergleichen. Das Nachbarskind, das mit fünf liest, sagt nichts über Ihres.

Was Eltern nicht tun sollten: aus dem Kind ein Projekt machen. Kinder spüren die Erwartung, und sie spüren die Enttäuschung, wenn sie sie nicht erfüllen. Ein Kind, das mit Angst in die Schule geht, weil es glaubt, dort etwas beweisen zu müssen, startet schlechter als eines, das sich einfach freut.

Die Frage der Einschulung: jetzt oder nächstes Jahr

Die Stichtage sind Ländersache: Kinder, die bis zum 30. Juni (Bayern, Berlin, Brandenburg, mit Rückstellungsoptionen), 30. September (viele Länder) oder einem Datum dazwischen sechs werden, sind schulpflichtig. Für Kinder, die kurz vor dem Stichtag geboren sind ("Kann-Kinder" oder "junge Sechsjährige"), stellt sich die Frage, ob eine Rückstellung um ein Jahr sinnvoll ist. Die Forschung findet für später eingeschulte Kinder in den ersten Schuljahren leichte Vorteile, die sich bis zur Sekundarstufe weitgehend ausgleichen; entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Entwicklungsstand. Die Kita ist hier die wichtigste Beraterin: Die Fachkräfte sehen das Kind in der Gruppe, im Vergleich, über Jahre. Fragen Sie sie früh und offen, spätestens im Herbst vor der Einschulung, und nehmen Sie die Einschätzung ernst, auch wenn sie nicht Ihrem Wunsch entspricht. In Zweifelsfällen hilft die Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamts und ein Gespräch mit der Grundschule.

Woran Sie eine gute Vorschularbeit erkennen

Fragen Sie beim Besichtigungstermin oder beim Entwicklungsgespräch: Was macht die Vorschulgruppe konkret, wie oft trifft sie sich, gibt es eine Kooperation mit den Grundschulen, wie wird über die Einschulungsreife gesprochen, und was tun Sie mit einem Kind, das im letzten Jahr noch nicht so weit ist? Eine Antwort, die von Erlebnissen, Verantwortung und Übergang spricht, ist besser als eine, die eine Mappe zeigt. Wie Eltern die Vorschularbeit ihrer Kita erlebt haben und wie ihre Kinder in der Schule ankamen, steht in den Erfahrungsberichten auf Kitaerfahrung.com; und wie der Schulstart selbst gelingt, beschreiben die Ratgeber Grundschule anmelden und Kann-Kinder und Rückstellung auf Schulerfahrung.com.

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