Tablet, Fernseher, Kita-App: Wie viel Bildschirm in der Kita vertretbar ist
Der Fernseher im Gruppenraum, auf dem an Regentagen "Bibi Blocksberg" läuft, ist das Bild, das Eltern fürchten. Es kommt vor, aber selten. Häufiger ist die Frage subtiler: das Tablet, mit dem die Erzieherin Fotos für das Portfolio macht und das dann die Kinder in die Hand nehmen; die Lern-App, die der Träger angeschafft hat; der digitale Bilderrahmen an der Garderobe; die Musikbox, die den ganzen Vormittag läuft. Digitale Medien sind in der Kita angekommen, und die Frage ist nicht mehr, ob sie vorkommen, sondern wie. Dieser Text erklärt, was die Fachwelt empfiehlt, was die Bildungspläne vorsehen und woran Eltern eine gute Medienpraxis erkennen.
Was die Fachgesellschaften sagen
Die Empfehlungen sind für das Kita-Alter einheitlicher als für jede spätere Altersgruppe. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Weltgesundheitsorganisation empfehlen für Kinder unter drei Jahren keine Bildschirmnutzung, für Drei- bis Fünfjährige höchstens 30 Minuten am Tag, begleitet von Erwachsenen, mit altersgerechten Inhalten. Die Begründung ist nicht moralisch, sondern entwicklungspsychologisch: Kleine Kinder lernen durch Handeln, Bewegen, Anfassen und durch Interaktion mit Menschen; Bildschirme bieten davon nichts, und die Zeit vor dem Bildschirm fehlt für das, was sie brauchen. Der Zusammenhang zwischen früher, hoher Bildschirmnutzung und Sprachverzögerung, Schlafproblemen, Aufmerksamkeitsschwierigkeiten und Übergewicht ist in Längsschnittstudien gut belegt; die Kausalität ist nicht in jedem Fall geklärt, die Richtung der Empfehlung aber unstrittig.
Für die Kita heißt das: Ein Tag in der Kita ist bereits voll mit dem, was Kinder brauchen. Bildschirmzeit hat dort keinen Platz, den sie füllen müsste. Im Krippenbereich gibt es keine vertretbare Bildschirmnutzung; im Kindergartenbereich eine sehr begrenzte, und nur, wenn sie etwas ermöglicht, das ohne Bildschirm nicht geht.
Was die Bildungspläne vorsehen
Trotzdem steht "Medienbildung" in fast allen Landesbildungsplänen, und das ist kein Widerspruch. Gemeint ist nicht, dass Kinder Bildschirme nutzen, sondern dass sie Medien verstehen lernen: Was ist ein Foto, was ist eine Aufnahme, wie entsteht ein Film, was ist wahr und was ist ausgedacht, warum darf man nicht jeden fotografieren. Medienbildung im Kita-Alter kann heißen, dass Kinder mit einem Aufnahmegerät Geräusche im Garten sammeln und dann raten, was es war; dass sie ein Trickfilm-Daumenkino zeichnen; dass sie mit einer Kamera dokumentieren, wie ihr Bohnenkeimling wächst; dass sie ein Bilderbuch und die verfilmte Version vergleichen. Das Tablet ist dabei Werkzeug, nicht Unterhaltung, und es ist in der Hand der Kinder, die etwas herstellen, nicht konsumieren. Das ist der Unterschied, der zählt.
Einige Länder haben Medienkonzepte für Kitas verabschiedet und Fortbildungen finanziert; die Ausstattung mit Tablets und Digitalkameras ist über Bundes- und Landesprogramme in vielen Kitas angekommen. Das Gerät ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn es angeschafft wurde und niemand ein Konzept hat, wozu.
Woran Sie eine gute Praxis erkennen
Fragen Sie beim Besichtigungstermin: Gibt es Bildschirme in den Gruppenräumen, und wofür werden sie genutzt? Gibt es ein Medienkonzept, und dürfen Sie es lesen? Wie viel Zeit verbringen Kinder pro Woche mit Tablet oder Fernseher, und wer entscheidet darüber? Was passiert an Regentagen? Und, ganz praktisch: Haben die Fachkräfte ihr privates Handy während der Betreuung in der Hand?
Die guten Antworten: Keine Bildschirme im Krippenbereich. Im Kindergarten ein Tablet oder eine Kamera pro Gruppe als Werkzeug für Projekte, ohne Spiele-Apps, ohne YouTube, in der Hand der Fachkräfte, außer wenn Kinder gezielt damit arbeiten. Kein Fernseher als Regenprogramm; Regentage sind Bewegungsraum, Bauecke, Vorlesen, Matschhose; in der offenen Kita zusätzlich die Wahl zwischen Räumen. Ein Konzept, das Medienbildung als Verstehen definiert. Fachkräfte, deren Handy in der Tasche bleibt, weil sie wissen, dass ein Erwachsener, der auf sein Display schaut, für ein Kind nicht ansprechbar ist. Und eine Kita, die Eltern offen sagt, was sie tut und warum.
Die schlechten Antworten: ein Fernseher im Gruppenraum, der "nur manchmal" läuft; Tablets mit Lern-Apps, auf denen Kinder allein spielen, weil "das ja pädagogisch ist"; Musik oder Hörspiele als Dauerbeschallung; Fachkräfte am Handy; und ein Träger, der auf Nachfrage kein Konzept vorlegen kann.
Die Kita-App: ein anderes Thema
Die App, über die Eltern Krankmeldungen schicken und Fotos vom Tag bekommen, ist keine Bildschirmzeit für Kinder, sondern Kommunikation zwischen Erwachsenen. Sie hat eigene Fragen, vor allem zum Datenschutz, die der Ratgeber zu Fotos, Kita-App und Datenschutz behandelt. Eine Wirkung auf Kinder hat sie indirekt: Wenn Fachkräfte den Vormittag damit verbringen, Fotos für die App zu machen und hochzuladen, fehlt diese Zeit den Kindern. Gute Kitas begrenzen den Fotoaufwand bewusst; ein Bild pro Tag für die Gruppe reicht, und es muss nicht jedes Kind darauf sein.
Was das mit zu Hause zu tun hat
Die Kita ist für die meisten Kinder der bildschirmärmste Ort ihres Tages. Die Bildschirmzeit, die die Fachgesellschaften meinen, entsteht zu Hause: beim Frühstück, beim Abholen im Auto, beim Warten im Restaurant, am Abend. Eine Kita, die konsequent bildschirmfrei arbeitet, gleicht davon einen Teil aus, aber sie kann nicht alles ausgleichen. Kinder, die in der Kita durch Sprachverzögerung oder Unruhe auffallen, haben in vielen Fällen zu Hause viel Bildschirmzeit, und die Fachkräfte sprechen das ungern an, weil es als Vorwurf ankommt. Wenn Ihre Bezugserzieherin es doch anspricht, hören Sie zu. Sie sieht 20 Kinder im Vergleich, und sie meint es gut.
Und noch etwas, das in der Kita täglich zu beobachten ist: Kinder, die abgeholt werden, während der Elternteil telefoniert oder tippt, und die auf den Moment warten, in dem sie gesehen werden. Die fünf Minuten an der Garderobe ohne Handy sind für den Tag des Kindes wichtiger als jede Medienregel der Kita.
Quellen
BZgA und DGKJ, Empfehlungen zur Bildschirmnutzung im Kleinkind- und Vorschulalter; WHO-Leitlinie zu körperlicher Aktivität, Sitzverhalten und Schlaf für Kinder unter fünf Jahren (2019); BLIKK-Medienstudie (2017) zu Mediennutzung und Entwicklungsauffälligkeiten; Landesbildungspläne, Abschnitte zur Medienbildung; DJI-Studien zu digitalen Medien in der frühen Bildung.
Wie eine bestimmte Kita mit Bildschirmen umgeht, steht selten in der Konzeption und immer in den Berichten der Eltern. Auf Kitaerfahrung.com finden Sie sie.
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