Ratgeber › Pädagogik

Offenes Konzept oder feste Gruppe: Welche Kita-Struktur zu Ihrem Kind passt

Die Frage kommt fast immer erst beim Besichtigungstermin: "Wir arbeiten offen." Manche Eltern hören das und denken an Freiheit, andere an Chaos. Beides ist ein Vorurteil. Die Gruppenstruktur einer Kita ist eine der wenigen Konzeptfragen, die den Alltag eines Kindes tatsächlich täglich prägt, mehr als Waldorf oder Montessori auf dem Schild. Und sie ist eine, bei der das Temperament des Kindes eine Rolle spielt. Hier ist, was hinter den drei Modellen steckt.

Das geschlossene Gruppenkonzept

Das klassische Modell: Jedes Kind gehört einer festen Gruppe von meist 15 bis 25 Kindern an, die einen eigenen Raum, einen Nebenraum und zwei bis drei feste Fachkräfte hat. Der Tag findet weitgehend in dieser Gruppe statt, mit Morgenkreis, Freispiel im Gruppenraum, gemeinsamem Essen, Angeboten für die Gruppe. Der Garten und der Bewegungsraum werden nach Plan mit anderen Gruppen geteilt. Die Gruppen tragen Namen (Sonnenkinder, Igel, Delfine), die Garderobe hängt vor dem Gruppenraum, die Eltern kennen "ihre" Erzieherinnen.

Die Stärken liegen auf der Hand: Überschaubarkeit, feste Bezugspersonen, ein Raum, den das Kind als seinen kennt, klare Zuständigkeiten für Eltern. Für Krippenkinder ist das feste Gruppenkonzept fachlich fast unumstritten, weil unter Dreijährige Bindung und Wiederholung brauchen. Die Schwächen: Das Angebot ist auf das begrenzt, was die Gruppenfachkräfte anbieten; Freundschaften über Gruppengrenzen sind schwerer; und wenn die Chemie zwischen Kind und Erzieherin nicht stimmt, gibt es wenig Ausweichmöglichkeit. Fällt eine Fachkraft aus, trifft es die Gruppe direkt.

Das offene Konzept

Die Räume sind nicht Gruppenräume, sondern Funktionsräume: ein Bauraum, ein Atelier, ein Rollenspielraum, ein Bewegungsraum, eine Bibliothek oder Ruheraum, eine Kinderküche, oft eine Werkstatt. Die Kinder entscheiden nach dem Morgenkreis oder nach dem Frühstück selbst, wohin sie gehen, mit wem sie spielen, wie lange sie bleiben. Jede Fachkraft ist für einen Raum zuständig und wird dort zur Expertin. Das Essen findet häufig als offenes Frühstück und Mittagessen in einem Zeitfenster statt, in dem die Kinder kommen, wenn sie Hunger haben. Stammgruppen gibt es meist trotzdem, aber sie treffen sich nur zu festen Zeiten: Morgenkreis, Geburtstage, Ausflüge, Vorschularbeit.

Das offene Konzept hat sich seit den 1990er Jahren aus dem Situationsansatz und der Reggio-Pädagogik entwickelt und ist heute in vielen Städten der Standard für Neubauten. Die Stärken: Kinder wählen nach Interesse und Tempo, Angebote sind vielfältiger, Freundschaften entstehen quer, Fachkräfte können sich spezialisieren, und schüchterne Kinder finden Nischen, die es im Gruppenraum nicht gibt. Die Schwächen: Das Konzept verlangt den Fachkräften viel ab. Sie müssen wissen, wo 80 Kinder sind, ohne sie zu sehen; sie müssen Kinder im Blick behalten, die nirgends ankommen und den ganzen Vormittag zwischen den Räumen pendeln; und sie müssen die Beziehungsarbeit bewusst organisieren, weil sie nicht von selbst entsteht. In einer schlecht geführten offenen Kita gehen Kinder verloren, im übertragenen und manchmal im wörtlichen Sinn. In einer gut geführten ist es das lebendigste Modell, das es gibt.

Das teiloffene Konzept

Der Mittelweg, den die meisten Kitas heute gehen: feste Gruppen mit eigenem Raum und eigenen Fachkräften als Basis, aber tägliche Öffnungszeiten, in denen die Kinder die Räume der anderen Gruppen, Funktionsbereiche und den Garten frei nutzen. Typisch ist ein Vormittag, der in der Gruppe beginnt, dann für zwei Stunden öffnet und zum Mittagessen in die Gruppe zurückkehrt. Das teiloffene Konzept versucht, die Bindungsvorteile der Gruppe mit den Wahlmöglichkeiten der Öffnung zu verbinden, und gelingt darin oft. Es hat allerdings eine eigene Falle: Wenn die Öffnungszeit nur aus "die Türen sind auf" besteht, ohne dass die Räume zu etwas einladen, ist sie weder Struktur noch Angebot. Fragen Sie, was in der offenen Phase konkret passiert.

Welches Kind wo aufblüht

Die Forschung zur Gruppenstruktur ist dünner, als man erwarten würde, und die Ergebnisse hängen stark von der Umsetzung ab. Was Fachkräfte und Eltern übereinstimmend berichten, deckt sich mit der Erfahrung: Kinder, die selbstständig, kontaktfreudig und entscheidungsfreudig sind, nutzen das offene Konzept voll aus und langweilen sich in der festen Gruppe manchmal. Kinder, die zurückhaltend sind, Zeit zum Ankommen brauchen oder sich in großen, wechselnden Gruppen unwohl fühlen, profitieren von der festen Gruppe und finden im offenen Haus schwerer Halt. Jüngere Kinder (unter vier) brauchen in der Regel mehr Struktur als ältere. Kinder mit Förderbedarf, Sprachschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsproblemen kommen in fester Struktur oft besser zurecht, es sei denn, die offene Kita hat für sie bewusst kleine Verlässlichkeiten geschaffen.

Das ist eine Tendenz, keine Regel. Es gibt schüchterne Kinder, die im Bauraum einer offenen Kita zum ersten Mal Freunde finden, weil sie dort nicht die Kleinste der Gruppe sind, sondern die, die am besten Türme baut. Und es gibt lebhafte Kinder, die in der offenen Kita nur noch rennen und in der Gruppe zur Ruhe kommen.

Worauf Sie beim Besichtigungstermin achten

Bei einer offenen Kita fragen Sie: Wie wissen Sie, wo jedes Kind gerade ist? Wie stellen Sie sicher, dass jedes Kind täglich Kontakt zu seiner Bezugserzieherin hat? Was tun Sie mit einem Kind, das den ganzen Vormittag durch die Räume wandert? Wie läuft das Essen, und wie merken Sie, ob ein Kind gar nicht gegessen hat? Wie funktioniert die Eingewöhnung, wenn es keinen festen Gruppenraum gibt? Gute offene Kitas haben auf jede dieser Fragen eine konkrete Antwort, meist mit Listen, Magnettafeln, festen Ankerpunkten im Tag und einer Bezugserzieherin, die aktiv nach ihren Kindern sieht.

Bei einer geschlossenen Kita fragen Sie: Wie oft treffen die Gruppen aufeinander? Was passiert, wenn mein Kind mit seiner Gruppenerzieherin nicht warm wird? Wie werden Kinder gefördert, deren Interessen im Gruppenraum nicht vorkommen? Und: Wie vertreten Sie Ausfälle, wenn die Gruppe ihre Fachkraft verliert?

Und in jeder Kita schauen Sie: Wirken die Kinder beschäftigt oder getrieben? Sind die Räume so eingerichtet, dass sie zu etwas einladen, oder stehen die Regale voll und niemand nutzt sie? Sprechen die Fachkräfte mit einzelnen Kindern oder vor allem mit der Gruppe? Diese Beobachtungen sagen mehr als das Konzept.

Wenn es nicht passt

Ein Kind, das in der offenen Kita nach Monaten immer noch morgens weint, kein festes Spiel findet und nachmittags erschöpft ist, ist nicht zu empfindlich; es ist im falschen Modell. Umgekehrt ist ein Kind, das in der festen Gruppe gelangweilt Unsinn macht, nicht schwierig, sondern unterfordert. Ein Wechsel ist möglich und keine Niederlage. Viele Träger haben beide Konzepte in ihren Einrichtungen; fragen Sie, ob ein Wechsel innerhalb des Trägers ohne neue Warteliste geht.

Wie offen, teiloffen oder geschlossen eine Kita in Ihrer Nähe tatsächlich arbeitet und wie die Kinder dort ankommen, berichten Eltern auf Kitaerfahrung.com, besonders unter den Detailnoten "Räume und Außengelände" und "Betreuung und Erzieher".

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