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Nach der Eingewöhnung: Abholen, Rituale und die ersten Monate im Kita-Alltag

Die Eingewöhnung ist geschafft, das Kind bleibt bis zum Mittagessen, dann bis zum Schlafen, dann den ganzen Tag. Die Eltern atmen auf und gehen wieder arbeiten. Und dann fängt es eigentlich erst an. Die ersten drei bis sechs Monate nach der Eingewöhnung sind die Zeit, in der Kinder ihren Kita-Alltag wirklich lernen: den Rhythmus, die Regeln, die Freundschaften, die Müdigkeit. Sie sind auch die Zeit, in der Eltern am meisten verunsichert sind, weil das Kind Dinge tut, die niemand angekündigt hat. Weinen beim Abholen statt beim Bringen zum Beispiel.

Der Rhythmus stellt sich ein

In den ersten Wochen nach der Eingewöhnung ist ein Kita-Tag für ein Kind eine Anstrengung, die Erwachsene unterschätzen. Sechs bis acht Stunden in einer Gruppe, mit Lärm, Regeln, Entscheidungen, fremden Erwachsenen und einem Schlaf, der nicht der eigene ist: Das ist für ein Zweijähriges so viel wie ein voller Arbeitstag mit Meetings für einen Erwachsenen. Die Folge ist Müdigkeit, oft in einer Form, die nicht wie Müdigkeit aussieht: Quengeln am Nachmittag, Wutanfälle wegen Nichtigkeiten, frühes Einschlafen oder im Gegenteil Überdrehtheit am Abend. Das ist normal, und es legt sich nach einigen Wochen, wenn der Körper den Rhythmus gelernt hat. Was hilft: ein ruhiger Nachmittag ohne Programm, frühes Abendessen, ein Abendritual, das dem Kind zeigt, dass der Tag zu Ende ist. Was nicht hilft: nach der Kita noch Musikgarten und Schwimmkurs.

Warum Kinder beim Abholen weinen

Viele Eltern erschrecken, wenn das Kind beim Abholen in Tränen ausbricht, obwohl die Erzieherin sagt, es habe einen guten Tag gehabt. Der Widerspruch ist keiner. Das Kind hat den Tag über zusammengehalten, was es an Anspannung, Sehnsucht und Anstrengung gespürt hat, und in dem Moment, in dem die sichere Bezugsperson erscheint, darf es losgelassen werden. Das Weinen ist ein Zeichen von Bindung und von Erleichterung, kein Zeichen, dass etwas passiert ist. Genauso wenig bedeutet es, dass die Kita falsch ist, wenn das Kind gar nicht mitkommen will und lieber weiterspielt; das ist das Gegenteil, und es ist das Ziel.

Zwei Dinge helfen beim Abholen. Erstens: Nehmen Sie sich Zeit, auch wenn Sie es eilig haben. Ein Kind, das mitten aus dem Spiel gerissen wird, protestiert; ein Kind, das fünf Minuten bekommt, um fertig zu werden, sich zu verabschieden und seine Sachen zu holen, kommt freiwillig. Zweitens: Fragen Sie nicht aus, sobald Sie das Kind sehen. "Was hast du gemacht, was gab es zu essen, mit wem hast du gespielt" ist für ein müdes Kind eine Prüfung. Die Geschichten vom Tag kommen von allein, oft erst beim Abendessen oder im Bett, in Bruchstücken.

Bringen: kurz und gleich

Das Bringritual, das in der Eingewöhnung gelernt wurde, sollte bleiben: derselbe Ablauf, derselbe Satz, dieselbe Geste, dann gehen. Viele Kinder haben nach einigen Monaten wieder eine Phase, in der sie morgens weinen, oft nach Urlaub oder Krankheit, nach einem Wochenende mit viel Nähe oder wenn zu Hause etwas Neues passiert. Das ist keine Rückkehr der Eingewöhnung, sondern ein Moment, in dem das Kind das Ritual braucht. Verlängern Sie den Abschied nicht; das verlängert das Weinen. Übergeben Sie das Kind der Erzieherin, sagen Sie den Satz, gehen Sie. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie zehn Minuten später an. In fast allen Fällen spielt das Kind längst.

Freundschaften und Konflikte

Zwischen zwei und vier Jahren entstehen die ersten Freundschaften, und mit ihnen die ersten Konflikte. Ein Kind, das nach Hause kommt und erzählt, dass "Paul gemein war", hat meist einen Streit um eine Schaufel hinter sich (wie Sie Sorgen gegenüber der Kita ansprechen, steht in einem eigenen Ratgeber), den beide Beteiligte drei Minuten später vergessen hatten. Nehmen Sie die Erzählung ernst, aber nicht wörtlich, und fragen Sie die Erzieherin, wenn dasselbe Kind über Wochen vorkommt. Beißen, Hauen, Schubsen gehören zum zweiten und dritten Lebensjahr; Kinder in diesem Alter haben noch keine Sprache für Frustration. Eine Kita, die darauf mit Ruhe und klaren Grenzen reagiert, macht alles richtig. Eine, die Eltern täglich Vorwürfe macht, weil ihr Kind gehauen hat, hat das Alter nicht verstanden.

Rückzug und Stille

Ein Kind, das in der Kita auffallend still ist, wenig spielt und viel beobachtet, ist nicht unbedingt unglücklich; manche Kinder brauchen Monate, bis sie in der Gruppe ankommen, und beobachten so lange. Sorgen sind angebracht, wenn das Kind auch zu Hause stiller wird, wenn es nicht mehr isst, wenn es nachts aufwacht, wenn es Dinge verlernt, die es konnte (Sprache, Sauberkeit), oder wenn es die Kita über Wochen mit Angst und nicht mit Widerwillen ablehnt. Dann sprechen Sie mit der Bezugserzieherin, nicht an der Garderobe, sondern in einem Termin, und fragen Sie, was sie sieht. Meistens sieht sie etwas, das Ihnen fehlt: dass Ihr Kind mittags am Tisch neben einem lauten Kind sitzt, dass es die Bezugserzieherin vermisst, die in Urlaub ist, dass die Gruppe gerade zwei neue Kinder eingewöhnt und alle etwas weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Das erste Entwicklungsgespräch

Drei bis sechs Monate nach der Eingewöhnung bieten gute Kitas ein erstes Entwicklungsgespräch an: eine halbe Stunde, in der die Bezugserzieherin erzählt, wie sie das Kind erlebt, was es gern tut, wo es Unterstützung braucht, und in der Eltern erzählen, wie es zu Hause läuft. Gehen Sie hin, auch wenn alles gut ist. Es ist die eine Gelegenheit im Jahr, in Ruhe über das Kind zu sprechen, ohne dass es um ein Problem geht. Wenn die Kita keins anbietet, fragen Sie danach; es steht in den meisten Landesbildungsplänen als Standard.

Wann es nicht die Phase ist

Wenn nach sechs Monaten das Weinen morgens nicht aufhört, das Kind die Kita täglich mit Angst ablehnt, keine einzige Beziehung zu einer Fachkraft entstanden ist und die Gespräche mit der Kita nichts ändern, ist es Zeit, an der Passung zu zweifeln, nicht am Kind. Manchmal ist es die Gruppengröße, manchmal das offene Konzept, manchmal eine Bezugserzieherin, mit der es nicht stimmt. Der Ratgeber zum Kita-Wechsel hilft bei der Entscheidung. In den meisten Fällen aber ist die Antwort einfacher: Es ist Herbst, das Kind ist müde, und im Januar ist alles anders.

Wie die ersten Monate in einer Kita tatsächlich laufen, ob die Fachkräfte auf Müdigkeit und Rückzug achten und wie sie beim Abholen mit weinenden Kindern umgehen, erzählen Eltern in ihren Berichten auf Kitaerfahrung.com.

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