Ratgeber › Kita-Alltag

Ärger mit der Kita: Wie Eltern Kritik ansprechen, ohne dass es eskaliert

Die meisten Konflikte zwischen Eltern und der Kita beginnen nicht mit einem Skandal, sondern mit einem Nebensatz an der Garderobe. "Er wollte heute wieder nicht schlafen." "Sie hat wieder gehauen." "Bringen Sie ihn bitte pünktlicher." Die Eltern hören einen Vorwurf, die Erzieherin meint eine Information - und beide gehen mit einem schlechten Gefühl nach Hause. Aus solchen Sätzen wachsen Konflikte, die nach einem halben Jahr in einer Beschwerde beim Träger münden. Dabei wäre der Moment, in dem man sie hätte lösen können, genau an der Garderobe gewesen. Dieser Text ist eine Anleitung dafür, wie Eltern Kritik anbringen, wenn sie nötig ist, und wie sie merken, wann der informelle Weg nicht mehr ausreicht.

Erst sortieren, dann sprechen

Bevor Sie das Gespräch suchen, klären Sie für sich die folgenden drei Fragen: Was genau habe ich beobachtet und welche Folgerungen habe ich daraus gezogen? "Mein Kind weint morgens" ist eine Beobachtung, "die Erzieherin mag mein Kind nicht" ist eine Folgerung. Sprechen Sie die Beobachtung an, nicht die Folgerung. Zweitens: Ist das ein Problem der Kita oder meines Kindes, bei dem ich die Kita als Partner brauche? Ein Vierjähriger, der beißt, ist kein Versagen der Kita, sondern eine Aufgabe für beide Seiten. Drittens: Was wünsche ich mir konkret? "Es soll besser werden" ist kein konkreter Wunsch, mit dem eine Fachkraft arbeiten kann. "Ich möchte, dass Sie mich anrufen, wenn er mittags nichts isst", ist wiederrum einer.

Prüfen Sie außerdem Ihre Quelle. Berichte von Dreijährigen über den Kita-Tag sind einerseits wertvoll, andererseits aber auch unzuverlässig. "Die Erzieherin hat mich angeschrien" kann beispielsweise bedeuten, dass sie das Kind über den Hof gerufen hat, damit es nicht auf die Straße läuft. Fragen Sie nach, ohne etwas zu suggerieren, und nehmen Sie die Erzählung als Anlass für ein Gespräch, nicht als dessen Ergebnis.

Der Ort und die Zeit

Die Garderobe um 16 Uhr, mit zwölf Kindern im Rücken und drei Eltern in der Schlange, ist der schlechteste Ort für ein Kritikgespräch - und trotzdem finden die meisten dort statt. Bitten Sie stattdessen um einen Termin: "Ich würde gern in Ruhe mit Ihnen über etwas sprechen. Hätten Sie diese Woche zehn Minuten Zeit?" Das signalisiert Ernsthaftigkeit ohne Drama und gibt der Fachkraft die Möglichkeit, sich vorzubereiten. Kitas haben Vorbereitungszeiten, in denen solche Gespräche stattfinden können. Wer sich von einem Termin abwimmeln lässt ("Wir sind gerade so knapp."), fragt nach dem nächstmöglichen Zeitpunkt und hält das Gesprächsdatum fest.

Das Gespräch

Beginnen Sie mit dem, was gut läuft, sofern es das gibt, und meinen Sie es ernst. Dann folgt die Beobachtung in Form einer sachlichen Ich-Botschaft: "Mir ist aufgefallen, dass Lena in den letzten zwei Wochen jeden Morgen weint und sich nicht beruhigen lässt. Das war vorher nicht so. Ich mache mir Sorgen und würde gern verstehen, wie Sie das sehen." Jetzt zuhören: Die Fachkraft sieht das Kind sechs Stunden am Tag in einer Umgebung, die Sie nicht kennen. Sie hat fast immer eine Perspektive, die Ihnen fehlt. Fragen Sie: "Wie erleben Sie das?", statt: "Warum tun Sie nichts?"

Wenn es um das Verhalten der Fachkraft geht, wird es schwieriger. Sagen Sie, was Sie wahrgenommen haben und welche Reaktion es bei Ihnen oder Ihrem Kind ausgelöst hat, ohne eine Absicht zu unterstellen: "Als Sie gestern gesagt haben, er sei ‚wieder der Letzte‘, hat er zu Hause geweint. Ich weiß nicht, wie Sie es gemeint haben, aber so ist es bei uns angekommen." Das gibt der Fachkraft die Möglichkeit, sich zu erklären oder sich zu entschuldigen, und beides beendet den Konflikt. Ein Vorwurf ("Sie demütigen mein Kind") beendet den Konflikt nicht, sondern verlagert ihn lediglich.

Vereinbaren Sie am Ende etwas Konkretes und einen Zeitpunkt, zu dem Sie gemeinsam überprüfen, ob sich die Situation verbessert hat. "Wir probieren zwei Wochen lang, dass Sie sie morgens direkt in Empfang nehmen, und sprechen dann noch einmal." Ohne diese Verabredung verläuft das Gespräch im Sande.

Wenn es nicht besser wird: die Eskalationsleiter

Wenn das Gespräch mit der Fachkraft erfolglos bleibt oder die Fachkraft selbst das Problem ist, ist die nächste Stufe die Kita-Leitung. Bitten Sie je nach Lage um einen Termin zu dritt oder zu zweit und schildern Sie, was Sie mit der Fachkraft besprochen haben und was sich seitdem getan hat. Leitungen sind für das Personal und die Qualität verantwortlich und in der Regel dankbar, wenn Eltern zu ihnen kommen, statt untereinander zu reden.

Die nächste Instanz ist der Träger: Bei kommunalen Kitas ist dies das Amt für Kindertagesbetreuung oder eine Fachberatung, bei freien Trägern die Geschäftsführung oder die Bereichsleitung. Spätestens hier lohnt es sich, ein schriftliches Dokument mit Ihren Beobachtungen, Daten, den bisherigen Gesprächen und Ihrem Anliegen zu verfassen. Seit 2012 sind Träger verpflichtet, ein Beschwerdeverfahren vorzuhalten (§ 45 Abs. 2 SGB VIII verlangt Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder, die meisten Träger haben sie auf Eltern ausgeweitet). Fragen Sie ruhig nach diesem Verfahren.

Parallel und unabhängig davon gibt es den Elternbeirat, den jede Kita nach Landesrecht haben muss. Er ist nicht dafür da, Einzelfälle zu lösen, aber er ist der richtige Ansprechpartner, wenn mehrere Familien dasselbe Problem haben, beispielsweise wenn eine Regel unverständlich ist, über eine Fachkraft geklagt wird oder die Organisation nicht funktioniert. Ein Anliegen, das der Elternbeirat vorträgt, hat ein anderes Gewicht als das einer einzelnen Familie.

Die letzte Instanz ist das Jugendamt als Aufsichtsbehörde. Es erteilt die Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII und muss eingreifen, wenn das Wohl der Kinder gefährdet ist, beispielsweise bei Gewalt, Vernachlässigung, dauerhafter Unterbesetzung oder Verstößen gegen Auflagen. Das Jugendamt ist nicht die richtige Adresse für eine unfreundliche Erzieherin oder einen Streit über Schlafzeiten. Es ist jedoch die richtige Adresse, wenn ein Kind grob angefasst, beschämt, eingesperrt oder zum Essen gezwungen wird. Solche Vorfälle müssen Sie sofort schriftlich an den Träger und das Jugendamt melden, ohne die Leiter hochklettern zu müssen. Was bei Unfällen und Aufsichtspflicht in Kitas gilt, behandeln wir in einem eigenen Ratgeber.

Was Sie nicht tun sollten

Schimpfen Sie nicht vor dem Kind über die Erzieherin: Das Kind muss morgen wieder zu ihr und kann nicht zwischen den Loyalitäten wählen. Eskalieren Sie nicht in einer Eltern-WhatsApp-Gruppe. Die Gruppe kann nichts lösen, aber viel zerstören. Außerdem landen Screenshots erfahrungsgemäß beim Träger. Drohen Sie nicht mit dem Anwalt, wenn Sie keinen haben und keinen wollen. Die Drohung wird gehört, das Anliegen jedoch nicht mehr. Und schweigen Sie nicht, bis es platzt. Fachkräfte sagen übereinstimmend, dass die schwersten Konflikte diejenigen sind, von denen sie erst erfahren, nachdem die Eltern bereits gekündigt haben.

Wenn die Kita der Kritik nicht standhält

Es gibt Konflikte, die sich nicht lösen lassen, beispielsweise wenn die Chemie zwischen Kind und Fachkraft nicht stimmt, es keine Alternative in der Gruppe gibt, der Träger Probleme aussitzt oder Sie das Vertrauen verloren haben und es nicht zurückgewinnen können. Dann ist ein Wechsel die richtige Entscheidung und keine Niederlage. Wie er gelingt, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Kita-Wechsel

Eine der wichtigsten Fragen bei der Auswahl einer Kita ist, wie sie mit Kritik umgeht, ob sie zuhört, sich erklärt und etwas ändert. Diese Frage wird durch einen Besichtigungstermin nicht beantwortet. Die Detailnote "Kommunikation mit Eltern" auf Kitaerfahrung.com zeigt, wie andere Eltern es erlebt haben.

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